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Kindheit, ahoi!
Einzigartig, Folge 2: Warum es besonders ist, einen Bruder zu haben

Mein Bruder Julio ist zwei Jahre älter als ich.

Wie jede kleine Schwester auf dieser Welt kenne ich die Vor- und Nachteile daran, einen großen Bruder zu haben, nur zu gut …

Jemanden zu haben, der mich beschützt, ist ein gutes Gefühl.

Aber von ihm ein “Alien” genannt zu werden, das von unseren Eltern nur adoptiert wurde, nachdem es auf dem Flohmarkt eingetauscht wurde, eher weniger (jap, das hat er tatsächlich des Öfteren behauptet und ich muss ehrlich sagen, dass es eine Zeit gab, in der ich ihm das glaubte)!

Dennoch kann ich mir mein Leben ohne ihn nicht vorstellen und ich halte mich selbst für eine der glücklichsten kleinen Schwestern der Welt!

Die Wahrheit ist, dass ich Julio sehr viel mehr liebe, seit wir nicht mehr gemeinsam wohnen. Rückblickend kann ich mich zwar nur daran erinnern, dass ich ihn gehasst habe, ich habe aber dennoch unzählige schöne Erinnerungen an die Zeiten mit ihm.

Da gab es diesen Nachmittag, an dem wir die Diele mit Holzaufheller „verschönerten“ und den Teppich als Rutsche missbrauchten …

Oder wie ich ihn jedes Mal, wenn mir langweilig war, so lange ärgerte, bis er mir eine schmutzige Socke in den Mund steckte … Natürlich bekam ER danach den ganzen Ärger meiner Eltern ab, während ich mit süßsaurem Lächeln danebensaß und zuhörte!

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Carmen und ihr Bruder Julio heute

Doch wenn es beispielsweise ums Ausgehen ging, wurden mir wieder die Vorteile bewusst, die ein älteres Geschwisterkind so mit sich bringt.

Da er der Große war, war er auch der Erste, der schon mal Mist baute beim Weggehen. Als ich dann ein paar Jahre später genau die gleichen Fehler machte, war das für meine Eltern längst nichts Neues mehr und sie reagierten gelassener!

In der Grundschule war mein großer Bruder eine willkommene Drohung an Mitschüler, die mich ärgerten. Schließlich wolle sich niemand mit den Älteren anlegen und die Drohung, an meinen großen Bruder zu petzen, legte sich um mich wie ein unsichtbarer Schutz. Obwohl ich die Tatsache, dass er so überfürsorglich war, hasste, weiß ich heute, dass es nur zu meinem Besten war!

Eine Sache rechne ich ihm außerdem hoch an: So sehr er mich auch genervt hat, ich bin mir zu 100% sicher, dass ich eine viel größere Nervensäge war als er. Und: ER hat mich nie bei unseren Eltern verpfiffen!

Jetzt, da wir in unterschiedlichen Ländern leben, ist unser Verhältnis zueinander viel besser geworden und wir genießen die wenige Zeit, die wir zusammen verbringen, mehr.

Aber natürlich ärgern wir uns immer noch: Zum Beispiel macht er jedes Mal, wenn ich mich nach vorne bücke, ein Pups-Geräusch (ja, er ist 28 Jahre alt …) Und wenn wir uns etwas schenken, ist das immer ein regelrechter Wettbewerb, wer sein Geschenk für den anderen nerviger eingepackt hat.

Wir können jetzt aber eher „erwachsene“ Unterhaltungen führen und uns über den Erfolg des anderen freuen, als wir es früher konnten.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich das Glück habe, so eine wunderbare Person als Bruder zu haben (auch wenn ich das ihm gegenüber natürlich nicht zugeben würde).

Ich liebe und vermisse ihn jeden Tag.

Eure Carmen

Tipp: In unserer “Einzigartig”-Serie warten demnächst noch mehr Geschichten unserer Kollegen aus ihrem Familienalltag und ihrer Kindheit.

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