einzelkind_sein
Kindheit, ahoi!
Einzigartig, Folge 3: Warum es besonders ist, Einzelkind zu sein

Mein Leben als Einzelkind – was soll ich sagen?

Es ist nun wirklich nicht das schlimmste Übel auf der Welt, für die eigenen Eltern immer das tollste, beste und süßeste Kind zu sein …

Außerdem ist Teilen auf Dauer sicher auch anstrengend. Meine Sachen waren “mein” allein und ich konnte ganz allein damit spielen – niemand anderes. Ich war zum Glück ein Kind, das sich gut allein beschäftigen konnte; ganz tief eingetaucht in die Welt der Barbies und Puppen, gemeinsam Kens Herz erobern, ohne dass mich jemand dabei störte …

Ich habe trotzdem immer gern Geschwister gewollt damals, denn dauernd allein spielen ist irgendwann ein wenig trist. Meine Eltern hätten auch gern mehr Kinder gehabt, aber ich bin ein Ost-Kind. Die Mauer war gerade gefallen, als ich 3 Jahre wurde. Nichts war mehr sicher: KiTa-Platz, Jobs, Geld, die ganze Wirtschaftslage. Das war meinen Eltern einfach zu heikel – verständlich, finde ich im Nachhinein.

Aber trotzdem: Bei uns gab es kein Verwöhnen, kein Verziehen, kein Auf-dem-Boden-Liegen-und-laut-Kreischen, weil ich “DAS UNBEDINGT HABEN WILL”!

Nun hatte ich da aber auch großes Glück mit meinen Eltern, das muss man auch mal festhalten.

Ich wurde nie überschüttet mit unnötigen Geschenken oder 1000 Plüschtieren. Ich bekam immer nur das, was ich brauchte. Über Markenklamotten musste ich nicht diskutieren, ich bekam eh keine. Papa meinte „das sind auch nur normale Hosen, Du brauchst keine für 80 DM, nur weil andere die haben“. Und Recht hatte er! Das hat mich bis heute sehr geprägt.

Auch was die Schule betrifft, gibt es als Einzelkind Vor- und Nachteile.

Auf der einen Seite bekommt man zum Üben und für Hausaufgaben ungeteilte Aufmerksamkeit. Fleiß wird belohnt, unverständliche Aufgaben schnell erklärt oder gemeinsam gemeistert. Auf der anderen Seite steht man mit schlechten Noten allein da und darf dann ene-mene-muh machen, wem von beiden man nun zuerst die schlechte Nachricht überbringt (IMMER Mama!).

Aber mein Uniabschluss mit 1,7 zeigt dann, dass meine Eltern auch das beim ersten und einzigen Kind mal wieder richtig gut hinbekommen haben. 😉

Schlussendlich würde ich selbst später gern mehrere Kinder haben, weil ich einfach zu viel Angst davor hätte, eins allein so dermaßen zu verziehen und mit Zucker zu übergießen, dass ein kleiner gemeiner Zwerg heraus kommt, der das besagte auf-dem-Boden-Liegen-und-laut-Kreischen im Stundentakt vollzieht …

Wie meine Eltern das bei mir so gut hinbekommen haben, ist mir immer noch ein Rätsel.

Chapeau, Mama und Papa – ich würde mal sagen, das war eine Glanzleistung!

Eure Romy

P.S.: Schau doch regelmäßiger hier vorbei – es folgen noch mehr Erfahrungsberichte von Kollegen über ihre jeweilige Familiensituation.

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