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Kindheit, ahoi!
Wie fühlt sich mein Kind in der Kita wohl?

Puh: Endlich habt ihr den lang erhofften Kita-Platz bekommen! Aber: Dein kleiner Sonnenschein wirkt wie ausgewechselt. Warum fühlt sich Dein Kind in der neuen Umgebung nur unwohl? Findet es keinen Anschluss? Oder wird es von den anderen Kids ausgeschlossen? Die Dipl.-Psychologin Bettina Schacht aus Hamburg hat uns erzählt, welche neuen Herausforderungen in der Kita auf Deinen Schatz warten, und wie Du ihn darauf vorbereiten kannst.

1. Welche Gründe kann es geben, dass mein Kind in der Kita keinen Anschluss findet?

Bettina: Da kann es viele Gründe für geben. Das Kind kann sich zum Beispiel einfach nicht wohl fühlen. Und klar, manche Kinder sind dominanter und manche schüchtern. Das kann auch eine Rolle spielen. Prinzipiell würde ich sagen: Ein gut ausgebildetes Selbstwertgefühl hilft dem Kind, Anschluss zu finden.

2. Wie schafft man dieses gute Selbstwertgefühl beim Kind?

Bettina: Da gibt es leider kein Patentrezept. Ganz wichtig ist aber sicherlich eine gute Bindung zwischen den Eltern und dem Kind. Gut ist, wenn man das Kind nicht zu sehr überbehütet, aber auch nicht zu streng und autoritär behandelt. Man sagt, dass Kinder, die zuhause viel negatives Feedback bekommen – genau wie die mit sehr dominanten Geschwistern – ein niedrigeres Selbstwertgefühl haben.

Für die Eltern gilt also: Hinhören und zuhören wenn der Sohn oder die Tochter sich offensichtlich im Kindergarten unwohl fühlt. Das schafft wichtiges Vertrauen. Und natürlich ist es wichtig nachzufragen, warum das Kind nicht gerne in die Kita geht: Im gemeinsamen Gespräch bleiben, Probleme thematisieren und behutsam nachfragen. Für Kinder mit gesundem Selbstbewusstsein ist es leichter, sich Eltern und Erziehern anzuvertrauen.

Das Vertrauen, dass man durch Zuhören und Nachfragen aufbaut, sollte natürlich nicht gebrochen werden. Also egal, was das Kind erzählt, warum es ihm im Kindergarten oder der Kita nicht gefällt: Man sollte gemeinsam mit dem Kind nach Lösungen suchen, und – das ist ganz wichtig – nur mit dem Wissen des Kindes die Erzieherinnen auf eventuelle Probleme ansprechen. Ob das für das Kind ok ist, sollte man es vorher auch fragen! Denn sollte das Kind mitkriegen, dass hinter seinem Rücken mit den Leuten von der Kita geredet wurde, kann das Vertrauen zu Mama und Papa gestört werden.

3. Sollte ich mein Kind ermutigen, in der Kita mehr aus sich rauszugehen?

Bettina: Ja, das kann man machen. Eine wichtige Rolle spielen dabei aber auch die Erzieher: Die müssen eingreifen wenn es zum Beispiel ein Ungleichverhältnis von dominanten und schüchternen Kindern gibt. Die Dominanten müssen ihr Verhalten ja auch ändern. Dabei muss man aufpassen, dass der Tonangebende dadurch nicht noch dominanter wird. Aber gut ausgebildete Erzieher, von denen es tollerweise eine Menge gibt, wissen das sowieso.

Manche Kinder haben einfach noch keinen Sinn für Empathie; so etwas muss auch von den Erzieherinnen gezeigt werden. Generell ist Einfühlungsvermögen das Wesentliche, was Kindern beigebracht werden muss für einen guten Umgang miteinander. Und auch bei diesen Kindern beginnt das Lernen schon zuhause: Woher auch sollen Kinder, die keine Empathie von ihren Eltern vorgelebt bekommen, ein Gespür dafür haben?

Man kann also schon beim Baby anfangen, denn ein Empathievermögen entwickelt sich schon in den ersten sechs Monaten des Lebens. Da passiert ja auch viel über Mimik. Also gilt auch hier: Das Baby und seine Gefühle müssen ernst genommen werden, und es muss unterstützt werden.

4. Kann sich das Problem, dass das Kind in der Kita keinen Anschluss findet, auch von selbst lösen?

Bettina: Das gibt es natürlich auch. Eingewöhnungszeit ist hier, wie überall im Leben, ganz normal! Das ist ja auch erst einmal eine große Umstellung: Zuhause ist man der kleine Prinz oder Prinzessin, um den oder die sich alles dreht, und auf einmal ist man in der Kita einer von vielen. Das ist ein Lernprozess, der die Kleinen am Anfang auch überfordern kann. Da ist mein Tipp: Lasst dem Kind Zeit, die Eingewöhnung zuzulassen.

Und klar, es können eine Menge Faktoren eine Rolle spielen. Aber man sollte auch nicht alles überinterpretieren. Wenn zum Beispiel im Sandkasten ein Kind dem anderen mit der Schaufel auf den Kopf haut, muss das nicht heißen, dass das noch oft vorkommt. Klar, dem schlagenden Kind muss gesagt werden, warum das nicht in Ordnung war. Aber auch das Austesten von Grenzen ist normal, genau wie der Lernprozess, wie man sich selbst verteidigt und sich fair verhält. Sozialkompetenz muss eben erst einmal erlernt werden. Man selbst kann da auf jeden Fall gut das Vorbild sein.


Fazit:

So kann man sein Kind darin unterstützen, dass es sich in der Kita wohler fühlt:

* Versuchen, von vornherein ein gutes Selbstwertgefühl beim Kind zu schaffen. Das heißt: Nicht zu überbehüten, aber auch nicht zu streng und autoritär behandeln. Und: Nicht zuviel negatives Feedback geben.

* Genau hinhören und zuhören, wenn das Kind sich unwohl zu fühlen scheint: Das schafft Vertrauen

* Behutsam nachfragen, wie es in der Kita ist. Dann: Mit den Erziehern sprechen – aber nur nach Rücksprache mit dem Kind! Sonst herrscht ein Vertrauensbruch

* Wenn Erzieher mit einbezogen werden, sollten sie ein eventuelles Ungleichverhältnis von dominanten und schüchternen Kindern normalisieren

* Keine Sorge: Eine Eingewöhnungsphase in Kita oder Kindergarten ist ganz normal – genau wie eventuelle erste Streitigkeiten zwischen den Kleinen. Wenn das zur Regel wird: Siehe letzte zwei Stichpunkte.

* Lernen fängt zuhause an: Fairness und Sozialkompetenz können vorgelebt werden


psychologin_kinder

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